Wenn der Tod am Briefschlitz klingelt!

Bin ich mutig, wenn ich tod bin oder tod wenn mutig?
Ich habe den Tod noch nie gesehen, aber ich habe ihn schon leider öfter spüren müssen! Wie er mit seinen kalten Händen nach Seelen greift, die für mich jetzt, heute alles bedeuten! Nein, mit dem Tod scherzt man nicht! Selbst Gedanken an den Tod können die Menschen in ihren Gesichtern starr und fahl erscheinen lassen. Leichenbläße ist auch so ein Wort, dass ich auf den Tod nicht ausstehen kann! Oder todesmutig! Was drückt es aus? Wie passt mutig und Tod zusammen? Bin ich mutig, wenn ich tod bin oder tod wenn mutig? Wir zweifeln viel zu häufig das an was wir JETZT leben! Die ständige Unzufriedenheit bringt uns dem Tod näher.
Der Kopf denkt und im gleichen Moment tritt es ein! Schicksal?
Der Kopf denkt und im gleichen Moment tritt es ein! Schicksal? Wenn ja, ein von uns selbst Gesteuertes! So habe auch ich mein Schicksal heraufbeschwört! In einer Phase geistiger Düsternis habe ich vor mich hingemurmelt: "Jetzt ist es Zeit zu sterben!" und in die Kerze an der Ecke meines Schreibtisches gestarrt. Um die ganze Sache zu relativieren, es ist tageshell gewesen und somit eigentlich nicht die richtige Zeit, um auf Todesgedanken zu kommen. Ich liebe es mit meinen Stimmungen zu spielen und so habe ich das Mal in ein Paar freien Minuten ausprobiert. Strange, ich weiß! Bedenklich? Nein. Anders eben! Nun gut, nach meinen besagten fünf Minuten im Zustand der Umnachtung machte ich mich weg vom PC und auf zum Shoppen. Im Vorbeigehen werfe ich noch einen Blick in den Briefkasten. Ich erwarte keinen Brief, freue mich aber auch schon immer über ein bisschen Werbung, die ich einfach Mal aus dem Briefschlitz ziehe, um sie dann im nächsten Moment in die Mülltonne zu feuern! "Zumindest Post gehabt", sage ich mir in solchen Fällen immer.
Ein Brief. Ein Brief. Ein Brief.

Heute war es anders: Ein Brief. Ein Brief. Ein Brief. Ich versuche mit der Wiederholung "Ein Brief" die Nachhallwirkung zu imitieren, die diese Entdeckung auf mich machte! Schwarz, ein Kreuz, und in winzigkleinen silbernen Lettern lese ich die Adressieung: "Maike". Ich klammere mich an die schwarze Mülltonne und traue meinen Augen nicht! Wohl ein schlechter Scherz? Aber im selben Moment weiß ich, dass ich mit niemandem über diese Art von Gedankenspiel gesprochen habe! Angst steigt in mir auf! Ich beteure, diesmal nicht murmelnd, auf Erden bleiben zu wollen.
In Angst öffne ich den Brief und ziehe eine Danksagung für die erbrachte Anteilnahme am Tod eines verstorbenen, äteren Herren heraus. Schnell stopfe ich die Karte zurück in den Umschlag, verschließe ihn und lasse ihn in meine Tasche wandern. Durch das Panzerglas der Eingangstür schimmmern ein Paar Sonnenstrahlen. Noch nie habe ich mich umringt von stinkenden Mülltonnen in einem dreckigen Eingansflur so Wohl gefühlt. Ich öffne die Tür und trete nach draußen! Lächle den ersten Menschen mit einem breiten Grinsen an und bin mir sicher, dass ich Lebend sein möchte. Der ganze Ärger, die Arbeit und der Stress -den man sich nicht selten selbst macht- werden relativ, wenn man fühlt etwas Bekanntes, verloren Geglaubtes wieder gefunden zu haben.
Lieber bin ich ein kleiner Stern am Nachthimmel und scheine zufrieden vor mich hin, als eine Sonne: Blendend schön, Andere verblendend und im heißen Inneren, unter all den Strahlenherden eigentlich noch weniger als ein kleiner Stern.
Im Übrigen habe ich den Umschlag auf meinen Schreibtisch gelegt, damit ich immer wieder daran erinnert werde wie schön es ist: Das Leben! Der Brief: Ein Zeichen? Bestimmt!
Yours - 16. Aug, 16:04
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